Alice im Wunderland – Die Reise geht weiter
Eine fiktive Reisegeschichte mit KI-generierten Bildern. Erneut unterwegs mit Alice, diesmal zwischen Spiegelkanälen, verlorenen Nachmittagen und einem Zug ohne Fahrplan.
Beim zweiten Besuch im Wunderland nahm ich keinen Stadtplan mit. Alice fand das vernünftig, was mich angesichts unserer bisherigen Erfahrungen sofort misstrauisch machte. Am Fluss wartete ein Kaninchen mit einem Fährmannshut. Es verlangte als Fahrpreis eine Frage, auf die ich keine Antwort wusste. Ich fragte, warum Urlaubswochen schneller vergingen als Montage. Der Fährmann nickte anerkennend und überreichte mir eine blaue Feder.
Unser Boot legte ab, obwohl das Seil noch festgebunden war. Offenbar war hier selbst Tauwerk bereit, seine Meinung zu ändern. Die Weiden spiegelten sich im Wasser, doch ihre Spiegelbilder winkten uns zu. Alice setzte sich auf den Bug und erklärte, diesmal wollten wir den Bahnhof hinter dem Morgen besuchen. Ich prüfte vorsichtshalber meine Taschen. Die Feder war noch da. Meine Vorstellungen von einer normalen Tagesreise waren bereits über Bord gegangen.


Sieben Brücken und eine sehr selbstbewusste Spiegelung
Hinter der nächsten Flussbiegung begann eine Stadt aus Glas und krummen Brücken. Das Wasser floss bergauf. Eine Katze saß auf dem Geländer und polierte ihr Lächeln, als erwarte sie Besuch vom Fremdenverkehrsamt. Ich fragte nach dem Bahnhof. Sie verwies auf mein Spiegelbild. Das zeigte entschieden nach links, obwohl ich beide Hände in den Taschen hatte.
Alice schlug vor, ihm zu vertrauen. Mein Spiegelbild wirkte ohnehin besser vorbereitet als ich. Wir überquerten sieben Brücken; jede führte zurück an denselben Blumenstand, aber die Verkäuferin wurde mit jedem Besuch freundlicher. Beim siebten Mal schenkte sie uns zwei Veilchen und erklärte, nun hätten wir ausreichend Ortskenntnis.
Ich wollte protestieren. Alice deutete auf eine Gasse, die vorher nicht existiert hatte. Dahinter glitzerte ein Gewächshaus. Auf seinem Dach wuchsen Uhren statt Tomaten. Offenbar waren wir endlich dort angekommen, wo Umwege geerntet wurden.
Auf dem Markt der verlorenen Nachmittage
Im Gewächshaus roch es nach Minze, warmem Glas und frisch verschobenen Terminen. Zwischen Blumen verkauften Händler verlorene Nachmittage. Eine alte Schildkröte bot mir einen Donnerstag im Einmachglas an. Darin schwebte ein winziger Sonnenuntergang. Ich fragte nach dem Preis. Sie verlangte einen Termin, den ich nur aus Höflichkeit angenommen hatte. Mir fielen mehrere ein.
Alice probierte inzwischen fünf Minuten Langeweile. Sie schmeckten angeblich nach Birnenkompott. Ich tauschte meine Verpflichtung gegen den Donnerstag und spürte sofort, wie meine Schultern leichter wurden. Die Schildkröte wickelte das Glas sorgfältig ein. Ich solle es erst öffnen, wenn ich vergessen hätte, was ich eigentlich erledigen wollte.
Als wir weitergingen, läuteten die Uhren auf dem Dach gleichzeitig, aber jede eine andere Stunde. Zwischen ihren Glockenschlägen hörte ich eine Lokomotive pfeifen. Alice nahm meine Hand. Der Bahnhof hinter dem Morgen öffnete offenbar gerade seine Türen.


Der Zug, der uns Zeit ließ
Der Bahnhof lag auf einer Wolke über dem See. Ein dunkelblauer Zug wartete zwischen leuchtenden Pilzen. Der Schaffner knipste meine Feder, betrachtete sie gegen das Licht und erklärte, unser Anschluss habe uns verpasst. Alice fragte, ob wir trotzdem einsteigen dürften. Selbstverständlich: Dieser Zug fahre ausschließlich für Menschen, die ihren Anschluss nicht mehr suchten.
Wir saßen am offenen Fenster. Unter uns glitt das Wunderland vorbei; in den Scheiben spiegelten sich Wege, die wir noch nicht gegangen waren. Ich öffnete das Glas. Der kleine Donnerstag entfaltete sich zu einem warmen Licht, und für einen Augenblick gab es nichts zu erledigen.
Am Waldrand hielt der Zug. Alice blieb sitzen und winkte. Ich stieg aus, mit der Feder und einem überraschend leichten Herzen. Zu Hause ließ ich einen Nachmittag frei. Es fühlte sich nicht nach einem versäumten Termin an, sondern nach einer gelungenen Heimkehr.

