Mit Alice ins Wunderland – Eine Reise jenseits der Vernunft

Ein Kaninchen als Reiseleiter. Tee ohne Feierabend. Und ein Rückweg, der erst entsteht, wenn man ihn nicht mehr sucht.

Fiktive Reisegeschichte mit KI-generierten Illustrationen. Dieser Bericht erzählt eine erfundene Reise, inspiriert von Lewis Carrolls Wunderland. Die Bilder sind künstlich erzeugte Illustrationen und keine Reisefotografien.

Ich hatte für diesen Ausflug feste Schuhe, ein Notizbuch und die beruhigende Überzeugung eingepackt, dass Norden dort liegt, wo Norden eben liegt. Schon nach zehn Minuten war nur noch das Notizbuch brauchbar. Alice wartete am Waldrand, strich einen Zweig von ihrem blauen Kleid und fragte, ob ich bereit sei. Ich fragte nach der ungefähren Rückkehrzeit. Sie lächelte so, wie Menschen lächeln, die gerade beschlossen haben, einem eine wichtige Information vorzuenthalten.

Dann raste ein weißes Kaninchen an uns vorbei. Es trug eine Jacke, zog eine Taschenuhr hervor und murmelte etwas über eine Verspätung, die offenbar bereits gestern angefangen hatte. Ich wollte wissen, ob es hier eine Touristeninformation gebe. Alice war schon hinter ihm verschwunden.

KI-generierte Illustration: Alice und ihr Reisebegleiter vor der Landschaft des Wunderlands
KI-generierte Illustration: Eine märchenhafte Teetafel mit Taschenuhr und Hut im Wunderland

Anreise ohne Bodenhaftung

Ich beugte mich über das Loch zwischen den Baumwurzeln. Es roch nach feuchter Erde, altem Papier und einem Abenteuer, das vermutlich keine Haftpflichtversicherung besaß. Alice winkte mir von unten zu. Ich setzte einen Fuß auf einen vermeintlichen Tritt und fiel.

Der Sturz dauerte erstaunlich lange. Lange genug, um ein Regal mit Marmeladengläsern zu passieren, ein Buch über die richtige Pflege von unmöglichen Pflanzen zu lesen und festzustellen, dass mein Magen einen anderen Reiseplan verfolgte. Alice schwebte neben mir, als wäre das hier eine etwas unzuverlässige Rolltreppe. „Die Anreise ist meistens der einfachste Teil“, sagte sie. Ich schrieb es nicht auf. Manche Sätze möchte man später nicht gegen sich verwendet sehen.

Wir landeten auf einem Teppich aus trockenem Laub. In einer Halle voller Türen stand ein winziger Tisch mit einem Schlüssel. Die passende Tür war kaum höher als mein Schienbein. Dahinter lag ein Garten, so sonnig, dass ich sofort hineinwollte. Leider hatte mein Körper noch die Abmessungen eines vernünftigen Erwachsenen.

Eine kleine Flasche versprach Abhilfe. Ich roch daran: Zitrone, Vanille und ein Hauch von schlechter Entscheidung. Ein Schluck, und die Tischbeine wuchsen zu Säulen. Alice reichte mir ein Stück Kuchen. Danach stieß ich mit dem Kopf an die Decke. Die örtliche Gastronomie hatte offenbar eine sehr direkte Wirkung auf die Körpergröße.

Erst nach mehreren kulinarischen Korrekturen passten wir durch die Tür. Im Garten standen Pilze wie Sonnenschirme. Zwischen ihren Lamellen hing warmer Staub; irgendwo klimperte Wasser gegen Porzellan. Ich zog mein Telefon hervor. Es zeigte keinen Empfang, dafür einen Wochentag, den ich noch nie gesehen hatte.

Wegweiser für Fortgeschrittene

An einer Kreuzung zeigten fünf Schilder in fünf Richtungen: Hier lang, Dort lang, Irgendwo, Keine Ahnung und Zurück. Besonders das vierte erschien mir erfreulich ehrlich. Ich fragte Alice, welcher Weg der richtige sei. „Was möchtest du denn sehen?“ Ich begann mit meiner Liste. Sie hörte geduldig zu, bis die Kreuzung beschloss, sich um eine weitere Abzweigung zu erweitern.

Wir nahmen den Weg mit den blauen Blumen. Nicht weil er sinnvoller war, sondern weil eine der Blumen mich freundlich daran erinnerte, dass Listen keine Aussicht hätten. Zum ersten Mal an diesem Tag ließ ich das Notizbuch in der Tasche.

Teezeit mit unklarer Zuständigkeit

Den Hutmacher hörte ich, bevor ich ihn sah. Er stritt mit einer Teekanne darüber, wer von beiden zuerst eingeschenkt werden sollte. Unter einem Baum stand eine lange Tafel, bedeckt mit Tassen, Krümeln und den Resten zahlreicher Gespräche. Der Märzhase rückte einen Stuhl zurecht. Als ich mich setzen wollte, zog er ihn wieder weg. „Der Platz ist reserviert.“ Für wen? „Für den Fall, dass jemand kommt.“

Alice setzte sich trotzdem. Ich tat es ihr nach. Der Hutmacher betrachtete mich interessiert. „Geschäftlich oder zum Vergnügen?“ Ich sagte, ich wolle einen Reisebericht schreiben. „Dann brauchst du unbedingt mehr Tee. Ohne Tee werden die Erinnerungen eckig.“

Der erste Schluck schmeckte nach Bergamotte. Der zweite nach einem Sommernachmittag, an den ich seit Jahren nicht gedacht hatte. Beim dritten war ich sicher, dass ich als Kind genau diese Tasse schon einmal in der Hand gehalten hatte. Ich fragte nach der Sorte. Der Hutmacher antwortete: „Dienstag.“

Immer wenn ein Teller leer war, wechselten alle einen Platz weiter. Ich versuchte, das System zu verstehen, und fand mich fünf Minuten später neben meiner eigenen unbenutzten Tasse wieder. Der Hase erklärte, dass die Zeit seit einem Streit mit dem Hutmacher nicht mehr mitarbeite. Deshalb sei ständig Teezeit. Ich dachte an manche Besprechung zu Hause und beschloss, vorerst keine kulturellen Unterschiede zu bewerten.

Alice lachte, als der Hutmacher meine Uhr untersuchte. Er hielt sie ans Ohr, schüttelte den Kopf und legte einen Krümel hinein. „Zu viele Minuten“, sagte er. „Das macht sie nervös.“ Ich bekam sie zurück, bevor er nach der Butter greifen konnte. Beim Abschied schenkte er mir eine leere Tüte. Darin könne ich die Zeit mitnehmen, die ich unterwegs nicht verbraucht hätte.

Die Katze mit dem besten Orientierungssinn

Am Abend wurde der Wald blau. Zwischen den Ästen hing zuerst ein Lächeln, dann erschienen zwei Augen, schließlich eine Katze. Sie lag auf einem Ast, der für ihren Körper eindeutig zu schmal war. Ich fragte nach dem Weg zum Schloss. „Welches?“ Das Schloss der Königin. „Heute oder morgen?“ Ich atmete tief ein. Alice sah sehr zufrieden aus.

Die Katze erklärte, dass Wege hier empfindlich auf Erwartungen reagierten. Wer unbedingt ankommen wolle, müsse gelegentlich mit einem Umweg rechnen. Wer sich verlaufe, entdecke dagegen zuverlässig etwas. Ich hielt das für eine poetische Ausrede für mangelhafte Beschilderung. Dann verschwand der Wald hinter ihr für einen Augenblick, und wir sahen eine Landschaft aus Heckenlabyrinthen, Wasserfällen und schwebenden Brücken.

Ich vergaß meine nächste Frage. Die Katze bemerkte es und grinste noch breiter. Als sie verschwand, blieb ihr Lächeln eine Weile zurück. Ich hätte es gern fotografiert. Doch manche Motive sind genau dann am schönsten, wenn man die Kamera unten lässt.

KI-generierte Illustration: Alice und ihr Reisebegleiter begegnen der Grinsekatze
KI-generierte Illustration: Neun fantasievolle Szenen einer fiktiven Wunderlandreise

Ein königlicher Zwischenfall und die Kunst der Rückreise

Das Schloss erreichten wir am nächsten Morgen. Oder am selben Abend. Die Sonne hielt sich auffallend bedeckt, sobald ich nach der Uhrzeit fragte. Im Rosengarten strichen drei Spielkarten weiße Blüten rot. Einer der Maler bat mich, nichts zu verraten. Ich versprach es und bekam einen Pinsel in die Hand. So schnell hatte ich noch nie Anschluss an die örtliche Bevölkerung gefunden.

Dann erschien die Königin. Ihr Kleid rauschte über den Kies, als nähere sich ein Gewitter mit eigener Garderobe. Sie fragte, weshalb ich in ihrem Garten sei. Ich sagte, ich sei als Begleiter von Alice unterwegs. Das gefiel ihr nicht. Offenbar waren Begleiter ein Berufsstand, für den noch keine angemessene Strafe vorgesehen war.

Zur Ablenkung wurde eine Partie Krocket angeordnet. Mein Schläger war ein Flamingo mit ausgeprägtem Eigenwillen. Der Ball, ein Igel, rollte sich jedes Mal auf, sobald ich zielte. Alice versuchte, ernst zu bleiben. Ich gab meinem Flamingo einen Namen und bat ihn um Zusammenarbeit. Er betrachtete mich lange und putzte dann sein Gefieder. Ein vertrautes Gefühl: Man hatte alles vorbereitet, und die Technik machte trotzdem etwas anderes.

Als die Königin den Abbruch der Partie verlangte, verbeugte ich mich und lobte die außerordentlich lebendige Sportanlage. Alice zog mich am Ärmel davon. Hinter uns diskutierten die Spielkarten bereits darüber, ob ich gewonnen, verloren oder überhaupt mitgespielt hatte.

Gepäckkontrolle am Rand der Wirklichkeit

Wir stiegen einen Hügel hinauf. Unter uns lag das Wunderland im goldenen Licht. Die Hecken warfen Schatten wie Handschriften; ein herzförmiger Ballon trieb über die Türme. Alice setzte sich neben eine alte Holztür, die frei zwischen zwei Bäumen stand. Daneben zeigte ein Schild zurück in die Wirklichkeit.

Ich zog das Notizbuch heraus. Meine sorgfältige Route war verschwunden. Stattdessen stand dort: Die schönste Aussicht lag zwischen zwei Plänen. Ich erkannte meine Handschrift, obwohl ich mich nicht an den Satz erinnerte. In der Tasche tickte die Uhr wieder. Sie zeigte keine Uhrzeit, sondern den beruhigenden Hinweis, es sei die richtige Zeit.

„Was nimmst du mit?“, fragte Alice. Ich dachte an die leere Tüte, den unkooperativen Flamingo und den Tee, der nach Dienstag geschmeckt hatte. „Weniger Gewissheiten“, sagte ich. „Und vermutlich einen Krümel im Uhrwerk.“ Sie nickte, als sei das ein ordentliches Reiseergebnis.

Ich trat durch die Tür und stand wieder am Waldrand. Meine Schuhe waren feucht, mein Telefon zeigte Empfang, und irgendwo fuhr ein Auto vorbei. Alles war angenehm normal. Fast ein bisschen zu normal. Als ich mich umdrehte, lag zwischen den Wurzeln eine kleine blaue Blüte.

Zu Hause legte ich die leere Tüte auf den Schreibtisch. Seitdem nehme ich sie manchmal mit, wenn ein Tag zu voll wird. Ob etwas darin ist, weiß ich nicht. Aber gelegentlich finde ich plötzlich Zeit für einen Umweg. Und wenn irgendwo jemand sagt, das ergebe doch überhaupt keinen Sinn, muss ich an Alice denken. An ihr Lächeln am Waldrand. Und daran, wie klein die Welt wird, wenn wir nur das bereisen, was wir schon verstehen.

Bilder aus einer erfundenen Reise